Da in fünf Tagen die finale Version der freien Linux-Distribution Kubuntu 9.04 (Codename “Jaunty Jackalope”) erscheinen wird, habe ich gerade mal den aktuellen Release-Candidate heruntergeladen und getestet. Dank “Desktop-CD” ist das schnell gemacht – das System läuft komplett von CD, ohne etwas am vorhandenen Betriebssystem zu verändern. Tolle Sache so weit.
Bisher habe ich mir bei jedem Kubuntu-Release eine Test-CD gebrannt und probeweise laufen lassen. Meist mit ernüchterndem Ergebnis: Entweder wurden Geräte nicht richtig erkannt oder aber die grafische Oberfläche war noch nicht ausgereift. Allerdings habe ich mit der nun kommenden Version (Termin ist der 23. April) zum ersten Mal das Gefühl, dass nun wirklich alle Teile des Systems so ineinandergreifen, wie man sich das vorstellt. Und dank der neuen KDE4-Oberfläche, die bereits in Version 8 enthalten war, braucht sich Kubuntu bzw. Linux auch optisch nicht mehr hinter aktuellen Betriebssystemen zu verstecken.
Was das Bedienkonzept angeht, habe ich den Eindruck, dass Kubuntu mittlerweile die Vorteile von Windows- und Mac-Oberfläche miteinander zu verbinden versucht, dabei aber auch nicht auf bewährte Linux-Elemente verzichtet. So lässt sich z.B. die Navigation im Dateimanager auf einen Modus umstellen, der sehr an den Finder von OS X erinnert, und die von Windows gewohnte Taskleiste ist auch mit an Bord. Viele Dinge (v.a. Details) kommen einem bekannt vor, spätestens beim Dateisystem landet man dann aber endgültig in der Linux- bzw. Unix-Welt – was nicht schlecht sein muss.
Insgesamt findet man sich erstaunlich schnell zurecht – ich glaube, wer den Umstieg von XP auf Vista “geschafft” hat, den kann auch eine Linux-Oberfläche nicht mehr schocken.
OK, so schlimm ist es gar nicht, eigentlich gefällt mir Kubuntu sogar ziemlich gut, optisch wie funktionell. Alle angeschlossenen Geräte werden prompt erkannt (inkl. Grafiktablett), was für Linux-Verhältnisse schon irgendwie bemerkenswert ist. Systemeinstellungen, Tastenkombinationen und “Look & Feel” lassen sich nach allen Regeln der Kunst einstellen und zum ersten Mal habe ich bei einem Linux-Betriebssystem tatsächlich den Eindruck, dass es “einfach funktioniert”.
Ich selbst werde zwar vorerst nicht auf Linux umsteigen, weil ich zu viele Programme habe, die nicht unter Linux laufen (z.B. Photoshop oder InDesign), aber für einen Laptop oder Zweit-PC scheint sich die Installation auf jeden Fall zu lohnen.
Textverarbeitung, Musikbibliothek, Instant-Messenger u.v.m. sind von Haus aus dabei und was man sonst noch braucht, wird kurzerhand automatisch aus dem Netz geladen. Wie gesagt, nur von kommerziellen oder echten Spezial-Programmen gibt es meist keine eigene Linux-Version. In vielen Fällen genügt dann aber ein Emulator, z.B. “Wine”, der Windows-Software kurzerhand im Fenster laufen lässt.
Kommenden Donnerstag gibt’s die finale Version von Kubuntu 9.04, dann werde ich es mal mit einer Installation auf Platte versuchen…
Hi…
danke für deinen ersten Einblick und Kommentar in das neue Kubuntu… doch ebenso wie du werde auch ich noch nicht in absehbarer zeit auf linux umsteigen, da ich auch die von dir beschriebene softwareproblematik habe…
bleibt zu hoffen das die softwaregiganten sich bald auch mal auf linux einlassen… ich sehe darin nämlich eine echte alternative…
gruß chris
PS: ein paar Screenshots wären nett gewesen…
einen schönen Tag auch,
ich kann eure problematik durchaus verstehen.
Ich als Schüler jedoch möchte linux und besonders Kubuntu uneingeschränkt weiterempfehlen. Alle Programme die man als schüler so brauchen kann, bekommt man auch und insgesamt läuft alles schneller und stabiler als unter windows. Intressant fand ich, die unterstützung meines DVB-T Sticks: Die Installation unter Windows war sehr kompliziert und hat mir doch so einiges abverlangt, dann hab ich versucht ihn unter kubuntu zum laufen zu bringen. Reingesteckt und der Rest lief ganz von alleine!!
Wer also keine ganz speziellen Programme benötigt, dem sei Kubuntu also uneingeschränkt empfohlen
Genau, für einen reinen Internet- oder Office-PC würde ich Kubuntu sofort empfehlen, eher noch als Windows. Obwohl ich mittlerweile den Eindruck habe, dass die KDE-4-Oberfläche doch noch nicht ganz ausgereift ist, gelegentlich stürzt sie nämlich noch ab (und startet dann automatisch neu, so wie bei einem Explorer-Absturz unter Windows).
Neulich habe ich Ubuntu (mit Gnome als Oberfläche) auf meinem Laptop installiert, das macht gegenüber Kubuntu einen noch flotteren und ausgereifteren Eindruck. Aber das ist wohl Geschmacksache, man sollte nur beides mal gesehen haben.