Normalerweise gehöre ich absolut nicht zu den Leuten, die sich im Fachgeschäft beraten lassen, dann aber später im Internet kaufen. Das ist unfair und auch ein bisschen hinterlistig, finde ich. Diesmal habe ich allerdings eine Ausnahme gemacht – wobei von wirklicher “Beratung” im Vorfeld eigentlich keine Rede sein kann.
Ich war auf der Suche nach einem stabilen 3-Bein-Stativ für meine Pentax K10D, weil ich mein altes Billig-Wackelstativ nach 2 Jahren “Es-wird-schon-irgendwie-gehen” nun endgültig leid war.
Eine erste Recherche bei Amazon brachte nicht das gewünschte Ergebnis: Viel Auswahl, aber entweder zu klein (ich wollte min. 1,80 m) oder zu teuer (Budget 100-150 EUR). Auch die stundenlange Suche in Foren (über mehrere Tage verteilt) brachte nicht die erwünschte Erleuchtung – also ab ins Fotogeschäft und den “Fachmann” fragen.
Dort wurden mir verschiedene Modelle der Firma Soligor gezeigt (wusste gar nicht, dass die auch Stative herstellen), von denen drei schon mal viel zu klein waren. Nur ein einziges entsprach meinen Vorstellungen von Größe und Stabilität und lachte mich direkt an: das Soligor PT-180.
Einziges Manko: der Preis, 179 EUR (UPE des Herstellers). Na toll. Auf meine Frage, ob man da noch was machen könne, wurde ich auf die folgende Woche vertröstet, wenn der “Chef” wieder im Haus sei.
Also ab nach Hause. Im Übrigen hatte ich nicht das Gefühl, kompetent beraten worden zu sein; die Verkäuferin tat zwar ihr bestes, aber nach 2 Stunden Forenrecherche wäre sie vermutlich weit besser informiert gewesen.
Eine kurze Recherche im Internet (ich wollte noch ein paar Bilder von dem Stativ sehen) ergab bei Amazon einen Preis von 190 EUR, bei Ebay dann aber einen Kampfpreis von 115 EUR inkl. Versandkosten (“originalverpackte deutsche Neuware”, renommierter Powerseller). Das schien mir doch ein starkes Argument zu sein, weshalb ich das Teil dann auch bestellt habe.
Doch es kam noch besser: Nachdem ich das PT-180 erhalten hatte, stellte ich fest, dass der Reißverschluss der mitgelieferten Tasche an einer Ecke beschädigt war und die Metallbeine hier und da ein paar kleinere Macken hatten. Erster Gedanke: Vorführmodell oder Versandrückläufer, kann man aber mit leben bei dem Preis. Auf meine Anfrage beim Verkäufer bekam ich prompt eine freundliche Antwort: Man könne das Stativ entweder zurücknehmen und mir das Geld inkl. Rücksendeporte(!) erstatten oder aber “als Entschädigung” 20 EUR auf mein Bankkonto überweisen. Da ich das Teil nur ungern wieder hergeben wollte, kam für mich ohnehin nur die Gutschrift in Frage.
Abzüglich Rabatt habe ich nun also fast die Hälfte gegenüber dem Soligor-UVP gespart – das soll mir erst mal einer nachmachen! Sicher, vielleicht hätte ich das Teil im Fachgeschäft schließlich auch für 150-160 EUR bekommen, aber das ist wohl kaum vergleichbar.
Fazit I:
Wer im Internet Preise vergleicht, kann echte Schnäppchen machen – wenn er genau weiß, was er sucht und bekommt.
Fazit II:
Bei Ebay-Geschäften kann es sich durchaus lohnen, erst einmal Kontakt mit dem Verkäufer aufzunehmen, bevor man einfach blind eine negative Bewertung abgibt.
Fazit III:
Ich finde, auch und gerade Verkäufer von Fachgeschäften sollten sich öfters mal in einschlägigen Internetforen umhören/-lesen. Wenn man wirklich Interesse mitbringt und nur ein bisschen lesewillig ist, erfährt man da so einiges. Und was ist besser als eine kostenlose Fortbildung, die letztendlich auch die Kunden zufriedener macht? Die fühlen sich dann nämlich gut beraten – und kommen wieder.