Gerade ging es beim Radiosender 1LIVE mal wieder um den Film Avatar und dessen durchschlagenden Erfolg an den Kinokassen. Der dazu befragte Reporter behauptete doch allen Ernstes, der Film sei auch deshalb so erfolgreich (erfolgreichster Film aller Zeiten in nur 39 Tagen), weil die dort dargestellte Welt auf dem fernen Planeten “Pandora” so märchenhaft und absolut “im Gleichgewicht” sei. Dies wünsche sich der Zuschauer wohl auch für den Planeten Erde, auf den dies ja ganz und gar nicht zuträfe, und würde u.a. deshalb ins Kino gehen.
Bitte?! Bei einer solchen Aussage dreht sich dem Medienwissenschaftler und regelmäßigen Kinogänger in mir doch der Magen um!
Ich kenne nur wenige Leute eigentlich niemanden, der aus derart idealistischen Gründen in einen Bombast-Kinofilm wie Avatar gehen würde – erst recht nicht, wenn der Film vorher fast ausschließlich wegen seiner Tricktechnik, Spezialeffekte und exorbitanten Produktionskosten in den Schlagzeilen war. Da halte ich die Aussage von der “Sehnsucht nach der schönen Scheinwelt” doch für äußerst gewagt – vor allem, wenn man die in zahlreichen Rezensionen kritisierte, eher schwache Story von Avatar berücksichtigt.
Allgemeine Gegenthese:
“Die Masse” geht nicht aus philosophischen Gründen ins Kino, sondern weil sie unterhalten werden möchte – oder weil es draußen regnet.
Wer Avatar gesehen hat, erzählt seinen Freunden davon – von den High-End-Effekten und ggf. dem intensiven 3D-Erlebnis und so wird weiter fleißig Mundpropaganda gemacht. Ganz zu schweigen von den Zuschauern, die Avatar gleich mehrere Male gesehen (und bezahlt) haben, sowie der Medienberichterstattung, die im Vorfeld mal wieder einen ordentlichen Hype aufgebaut hat. Ein Einspielergebnis von mehr als 1,9 Milliarden (!) Dollar (Stand von heute) zu einem relevanten Teil aus einer kitschig-naiven Romantik der Zuschauer zu ziehen, halte ich für extrem unrealistisch.
Oder wie seht ihr das?

